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Einen sch?nen guten Tag.
Mein Name ist iseedeadpeople ich zeichne mich dadurch aus, dass ich seit ca. sechs Jahren mehr oder weniger regelm??ig in Altenpflegeeinrichtungen jobbe. Klar ist, das ist ein anstrengender, verantwortungsvoller und ausf?llender Job. Blablabla.
Gleichzeitig erlebt man aber so viele erz?hlenswerte Geschichten, dass es total schade w?re, die einfach so in meinem Kopf versacken zu lassen. (Glaubt mir, das versackt eine ganze Menge!) Stattdessen lasse ich die Geschichten lieber hier in den Weiten des Internets versacken.

Viel Spa? beim lesen.
11.1.06 17:20


Herr G.

Eine mir zugeteilte Person vor einiger Zeit war Herr G. Er war von Beruf Musiker. Nicht nur deshalb hatte Herr G. ein bewegtes Leben. Seine musikalische Laufbahn wurde recht j?h durch den einbrechenden Krieg beeinflusst: Er kam zu einem Wehrmachtsorchester. Dort spielte er sein Blasintrument bis zum Ende des Krieges, was durchaus den Vorteil hatte, dass er vermutlich nicht auf Leute schie?en musste.
Nach dem Krieg und nach einer kleinen Schaffenspause ging er ... zum NVA-Orchester. Dort durfte er weiter spielen; schiessen musste er dort wahrscheinlich auch nie. Ende der siebziger Jahre wechselte er schlie?lich zu einem ostdeutschen Radiosender.
Nach seiner Pensionierung kam er in unser Heim wo er bis zu seinem Tod blieb. Er war im Prinzip ein netter Typ, ich mochte ihn. Er war etwas wehleidig, doch man konnte sich nett mit ihm unterhalten.
Jeden Monat konnte ich mir seine Ausgabe des "Heimkehrers" - einer lustigen Vertriebenenzeitschrift, die zur H?lfte aus Aufl?sungserkl?rungen von Vertriebenenortsverb?nden und Todesanzeigen besteht - schnappen und ein bisschen Spa? beim Lesen haben.
Ich sch?tze, niemandem ist aufgefallen, dass auch er neulich in dieser Zeitung stand. Das Wappen seines schlesischen Dorfes h?ngt ?brigens immer noch ?ber dem Bett, in dem inzwischen jemand anderes schl?ft.



11.1.06 21:00


Bei den Angestellten gibts noch eine Kategorie, die im Stationsranking tiefer angesiedelt ist, als ich:
ABM-K?chenkr?fte.
Die tun aber auch viel f?r ihren Ruf. Die meisten tun nicht mehr als das, was man ihnen sagt (eigentlich eine sympatische Eigenschaft, wenn man selber dadurch nicht mehr machen m?sste). Und sie zeichnen sich auch sonst durch extreme Verpeilung aus.
Deshalb eine Begebenheit der letzten Woche.

Unsere neue K?chenkraft, schaltet morgens immer irgendeinen Sender ein, auf dem Schmalzpop und deutscher Schlager abwechselnd l?uft.
Auf einmal f?ngt sie an zu wippen und summt ein Lied mit; es ist die neue "Mel C"-Single. Sie geht also zu einem Senioren und sagt:
"Kennen sie das? Kennen sie das? Das ist die Titelmelodie von 'Julia - Wege zum Gl?ck'."
Er gestesgegenw?rtig und mit der einzig ad?quaten Antwort:
"Ach komm. Lass mich in Ruhe."

Damit war dieser tolle Diolog zu Ende und sie konzentrierte sie wieder auf "Apfelsaft nachschenken".
12.1.06 23:29


Herr B.

Er ist schon eine Weile tot, aber ich w?rde behaupten, dass er derjenige war, der den gr??ten (negativen) Eindruck auf mich hinterlassen hat.
Bevor ich das erste Mal sein Zimmer betrat, wurde ich von den Schwestern gewarnt, dass er enorm j?hzornig, aggressiv und dazu noch suizidgef?hrdet sei. Damit nicht genug, er war ca. 40 und hatte Multiple Sklerose im fortgeschrittenen Stadium. Den Willen, sein Leben zu beenden kann man durchaus nachvollziehen, wenn jemand im Zenit seines Lebens sich nach dem k?ckern von debil grinsenden Schwestern den Po abwischen lassen muss und dann im ?blichen Babyton gefragt wird: "Na? Und jetzt noch ein Glas Apfelsaft?".
Da ich dann doch relativ gut mit ihm klar kam, wurde ich von da an so gut wie immer in das Zimmer geschickt, weil keine der Schwestern da rein wollte.
Ich erfuhrt dabei, so spannende Sachen, wie dass er fr?her in der Staatsbibliothek gearbeitet hatte, regelm??ig meditiere und wurde hin und wieder entgeistert angeschrieen, wenn ich den einen oder die andere Philosophin nicht kannte. Dann kam meist ein Spruch wie: (Babystimme) "Aaaber den Freud kennst du schon, oder?"
Ich bekam ab und zu auch so tolle Ratschl?ge, wie: "Halte dir unbedingt einen Silberschmied im Freundeskreis. Die haben immer Massen an Zyankali im Lager. Das ist der sch?nste und schnellste Weg zu sterben, wenn man keine Lust hat."
Seinen versteckten Bitten, ihm etwas ins Trinken zu tun, hab ich bis zum Schluss widerstanden. Bis ich eines Morgens erfuhr, dass er sich mit Hilfe eines Lakens und eines Fensterkreuzens selbst geholfen hatte.

14.1.06 13:39


Frau C.

Frau C. lebt noch und wird das auch noch eine Weile.
Sie ist von der Sorte Rentner, die nicht kapiert, dass sie abbaut, weil sie alt ist und immer ?lter wird. Nein, sie schiebt die kleinen Gebrechen, die sie nach und nach an sich feststellt auf uns.
Fr?her w?re sie so flink und aktiv gewesen und seit dem sie bei uns ist wird alles immer schlimmer. Mal abgesehen, dass sie immer noch durch ihr Zimmer und ?ber den Flur wuselt und total hektisch mit Leuten spricht, hat sie nat?rlich recht. In ihrem Alter gehts nat?rlich rapide bergab. So ist der Lauf der Dinge.
Ich glaub, das sag ich ihr morgen mal.

Ach so, Frau C. ist auch die Frau, die mir den bisher gemeinsten Kommentar an den Kopf geworfen hat. Sie sagte neulich, als ich ihr ein Glas Wasser anbot: "Da hab ich ja in Sachsenhausen besseres Trinken bekommen!".
Das hat mich ehrlich etwas mitgenommen...
17.1.06 15:48


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