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Alte Leute haben ja meist nicht so viel Geld. Um trotzdem ab und zu ihre Dankbarkeit zu zeigen, verschenken sie Schokolade an die Leute in ihrem Umfeld.

Hier ist Vorsicht angesagt.
Meist liegt die Schokolade schon seit Jahren in irgendwelchen Schubfächern und hat schon eine leicht gräuliche Schicht.

Also, meine Strategie: Die Schokolade nehmen, lächeln, sich bedanken und später unbeobachtet wegschmeissen. Die Schokolade hat ihren Sinn erfüllt, sie verschafft der Oma das Gefühl, etwas zurückgegeben zu haben und weder sie noch ich hole mir eine Magenverstimmung.
1.3.06 00:09


Die nächsten Beiträge werden alle dem Thema Demenz gewidmet sein. Die schlägt bei alten Leute die interessantesten Blüten.

Beispiel Herr B.:
Er ist noch relativ jung, ich schätze mal so um die 50, halbseitig gelähmt und macht noch relativ viel selbständig. Waschen, obenrum anziehen, Rollstuhl fahren.
Nur die Demenz macht ihm schon ganz schön zu schaffen. Irgendwie ist er unzufrieden mit der Gesamtsituation, will aber trotzdem höflich sein und uns deswegen ab und zu ein paar Tips geben wenn wir ihm helfen. Da er sich aber nicht mehr richtig ausdrücken kann, kommen dann meist Sätze bei raus, wo er sich den Anfang gut überlegt, sich am Ende - also 5 Wörter später - völlig verhäddert:

"Nee, so geht das nicht, die Schwester ... äh ... die grobe ... nee große ... macht das immer mit ... hier ... der ... der ... ach egal."

"Ich krieg hier doch immer diese ... diese ... na! ... Fisch ... nee ... äh ... na hier ... Tabletten ... die gelbe."

Die Unzufriedenheit, da nicht mehr selber hinzukriegen mischt sich dann immer mit der Unzufriedenheit, nicht mehr ausdrücken zu können, was man will und wird zu Bockigkeit.
4.3.06 14:06


Bei demenzkranken Menschen, wird der, sich ein Leben lang herausgebildete Charakter noch einmal potenziert. Leute, die eine Frohnatur waren, sind, auch wenn sie sonst nichts mehr mitkriegen total gut drauf. Andersrum gilt das gleiche. Ich hab schon Omas erlebt, die völlig unabhängig von Gegenüber und Situation, alles und jeden als "Fotze", "Penner", "unerhört" und "Hau ab, Du Arsch!" beschimpft haben.

Die höfliche Variante kann allerdings auf die Dauer auch auf die Nerven gehen. Eine Oma, die ich über ungefähr ein Jahr lang begleitet habe ist so ein Beispiel.
Anfangs war - eingeschränkt natürlich - eine Kommunikation mit ihr noch möglich. Diese verengte sich nach einiger Zeit auf den Satz "Sie sind aber eine feine Dame." Egal was man machte, ob nun beim Essen helfen oder den Po abwischen, immer "Sie sind aber eine feine Dame."
Nach einiger Zeit setzte zusätzlich ihr Schluckreflex aus, so dass der sich ansammelnde Speichel in ihrem Mund den Satz, den sie zu dieser Zeit alle 30 Sekunden sagte, ungefähr so klingen ließ: "Bii bind aber eine pfeine Bame."
Kurze Zeit später ist sie gestorben.
6.3.06 19:14


Ich hab neulich die Feststellung gemacht, dass wenn man vor 1 Uhr schlafen geht - am besten so 23 Uhr, kommt man morgens um 6:30 besser aus dem Bett und verbringt nicht seinen Dienst im Halbschlaf.
Das war ein völlig neue Erfahrung für mich. Das war gut! Sonst erwischt mich spätestens Mittags beim Aktenschreiben der Fünf-Sekunden-Schlaf. Mitten beim Schreiben! Dann zieht meine Hand mit dem Kuli vom angefangenen Wort einen blauen Strich über das ganze Blatt...

Deshalb hab ich mich für diese Woche vorgenommen immer ... was? schon wieder so spät? ... ach MIST!
13.3.06 00:51


Wir haben eine neue Küchenkraft und die ist noch skurriler als ihre Vorgängerin. Ich schätze, sie ist so um die 17/18 Jahre, etwas moppelig und hat ein enormes Mitteilungsbedürfnis, das dauernd mit meinem nicht vorhandenen Zuhörbedürfnis kollidiert.

Da kommen dann so tolle Dialoge (kann man das "Dialoge" nennen?) zustande:

Szene 1:
Sie: "Iih! Saure Gurken zum Frühstück?"
Ich: "Yo"
Sie: "Das ist ja verrückt. Mein Bruder ißt auch immer so verrückte Sachen."
Ich: "Aha." (Schaue mich hilfesuchend um, stopfe mein Frühstück und hoffe verzweifelt, dass das Gespräch damit beendet ist.)
Sie: "Jaaa, der ißt immer so voll verrückte Sachen, wie Erdnussbutter mit Senf und..."
Ich suche mir schnell eine Oma, die den Eindruck macht, als würde sie Hilfe gebrauchen und beschäftige mich mit ihr.

Szene 2:
Sie: "Vegetarier bist Du?"
Ich: "Ja."
Sie: "Also ich könnte das ja nicht!"
Ich: "..."
Sie: "Also auch keine Wurst?"
Ich: "Nö."
Sie: "Und Fisch?"
Ich: "..."
Sie: "Nee nee, ich könnte das ja nicht! (Denkpause) ... und was ist mit Eiern?"
Ich suche das Weite.
17.3.06 00:15


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