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Schluss hier

Nicht, dass nichts mehr passieren würde, bei uns auf Station. Ich verspüre allerdings nicht mehr das Bedürfnis, darüber zu schreiben.
Deshalb hier der Schnitt und zum Abschied etwas aus der Rubrik "will haben":



Tschüss.
28.4.08 22:09


Kanarienvögel

Es gibt ja zwei Sachen die man sich über Kanarienvögel erzählt:
1) Kanarienvogelpäarchen sind unzertrennbar. Wenn ein Vogel eines Päarchens stirbt, stirbt der andere auch.
2) Das Gedächtnis eines Vogels reicht für etwa eine Runde um nen Tisch.

Wenigstens Punkt 2 trifft auch auf demente Menschen zu. Vor ein paar Tagen ist Frau B. gestorben. Sie wohnte seit über drei Jahren mit Frau T. in einem Zimmer. Als Frau B. noch laufen konnte, haben die beiden immer zusammen Ausflüge gemacht, sind einkaufen gegangen und so. Als Frau B. bettläglich wurde, hat sich Frau T. trotzdem weiter um sie gekümmert, mit ihr geredet und geklingelt, wenn die Sondennahrung durchgelaufen war. Wenn Frau B. ins Krankenhaus musste, war Frau T. immer sehr niedergeschlagen, hat jeden gefragt, wann sie denn wieder kommt.
Neulich kam Frau B. wieder ins Krankenhaus. Allen war klar, dass es das letzte Mal sein würde. Also musste irgendjemand Frau T. verklickern, dass Frau B. gestorben war. Sie kam einen Tag nicht aus ihrem Zimmer, aß nichts und weinte viel.
Heute, 3-4 Tage später, verhält sie sich als wäre nichts passiert. die Verdrängungsleistung bei Rentnern ist wirklich unglaublich.
21.6.07 20:00


Herr S. ist heute nacht im Krankenhaus gestorben.
Ich versuche gerade zu rekapitulieren, was ich für Erinnerungen an ihn habe:

1) Sein Nass-Rasierer war scheisse. Ich hab ihn dauernd geschnitten.

2) Seine Frau hat immer Blumen (für ihn) und Kuchen (für uns) mitgebracht. Sie hat ihn immer auf seinen versabberten Mund geküsst.

3) Wenn er mit seinem Rollator durch die Gänge lief, sah es immer so aus, als würde er gleich fallen.

Viel mehr Erinnerung ist da nicht.
Ich hoffe er hat nicht gelitten.
11.9.06 16:35


Sterben

Meine letzte Zimmerpflanze hat vorgestern entgültig den Geist ausgegeben, die ist einfach umgeknickt. Sie hat sehr lange durchgehalten.
Der Wellensittich meiner ersten Mitbewohnerin hat einen abrupten Abgang gehabt, er wurde von unserer Katze gerissen.

Diese zwei Metaphern sind ein Versuch meinerseits darzustellen, wie unterschiedlich der Tod im Altersheim sein kann:
Die erste Art zu sterben ist, noch relativ fit ins Altersheim zu kommen und dann allmählich abzubauen. Meist wird zuerst das Laufen, dann das Stehen immer beschwerlicher. Der Weg führt dann meist über eine Zeit im Rollstuhl zur Bettlägrigkeit.
Lagerungsplan - alle 2 Stunden drehen - Druckstellen am Gesäß...
Die eigenständige Nahrungsaufnahme wird immer mehr zum Problem, so dass es irgendwann notwendig wird, dass man die Person füttert...äh Nahrung reicht (sagt man korrekterweise). Wenn dann auch der Schluckmuskel nicht mehr richtig funktioniert, gibts ein Kabel in den Magen und der Mund, der ja jetzt nicht mehr benutzt wird muss täglich gepflegt werden.
Die Wachphasen und die Fähigkeit seine Umwelt wahrzunehmen lässt immer weiter nach und irgendwann, reichts halt nicht mehr und man schläft ein.
Das ist ja im Prinzip der natürliche Lauf der Dinge. Es gibt leider Rentner, die denken, dass die Komplikationen die ihr Leben immer schwerer machen an den Pflegern liegt. Denen ist nicht leicht zu erklären, dass das eine natürliche Entwicklung in dem Alter ist.

Die zweite Art im Altersheim zu sterben, ist im Prinzip eine beschleunigte Version der ersten. Wenn ein Rentner stürzt, an Krebs leidet oder sich im Winter einen Schnupfen einfängt, kann ihn das logischerweise an die Grenzen seiner Kräfte führen. So kann es passieren, dass ein scheinbar fitter Rentner aufgrund einer einfachen Operation oder einer Infektion stirbt.
Von einen Tag auf den anderen.

Das ist natürlich sowohl für die Pfleger als auch für die Angehörigen die deutlich unangenehmere Art des Abgangs, weil bei der ersten die gewisse Vorlaufzeit allen die Möglichkeit gibt, sich mit dem Tod abzufinden.

Zurück zur Zimmerpflanze. Die ist natürlich gestorben, weil ich sie nicht gegossen hab. Sowas kommt natürlich im Altersheim nicht vor.
Und auch wilde Raubtiere werden nicht auf die Rentner losgelassen. Obwohl...ach nee, das ist eine andere Geschichte.
29.8.06 14:51


Weiter gehts...

Dieser Blog lag, die letzte Zeit etwas Brach. Das lag daran, dass er seine eigentliche Funktion erfüllt hat:
Mir ein Forum zu geben, bestimmte Erlebnisse meines Arbeitsalltags zu verarbeiten.
Da ich aber mitgekriegt habe, dass einige Leute das hier ganz gerne lesen, werde ich hier jetzt doch ab und zu wieder was posten.

Euer
Iseedeadpeople

Ach so:
Frau D. und Frau G. sind beide gestorben. Die eine kurz nach meinem letzten Eintrag, die andere erholte sich für etwa zwei Wochen und starb dann doch.
Ich glaub ich schreib morgen mal was übers sterben...
27.8.06 21:31


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