iseedeadpeople

  Startseite
    Nachrufe
    It's fucking political
    Schwester Schwester
    Demented People
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt
 


http://myblog.de/iseedeadpeople

Gratis bloggen bei
myblog.de





Nachrufe

Erinnert sich noch jemand an den Hitze-Sommer in Frankreich vor ein paar Jahren?
Damals sind mehrere hundert Leute gestorben, der größte Teil waren Kinder und Rentner. Diese sind besonders empfindlich bei solchen Wetterumschwüngen und so unterträglichen Temperaturen

Die derzeitige Hitze macht natürlich auch den Leuten beim mir auf der Station zu schaffen. Vor ein paar Tagen ist Herr F. gestorben. Die Hitze war wahrscheinlich nicht ganz unentscheidend.
Zwei weiteren Leuten bei uns geht es grad richtig schlecht: Frau D. und Frau G.
Ob sie die Woche überleben, ist unklar.

Ich drücke ihnen die Daumen.
27.6.06 15:16


Worauf stehen alte Leute total?
Genau, Rückenschrubben.

(Würde ich wahrscheinlich auch, wenn ich da nicht mehr selber rankäme.)
3.4.06 12:59


Herr B.

Er ist schon eine Weile tot, aber ich w?rde behaupten, dass er derjenige war, der den gr??ten (negativen) Eindruck auf mich hinterlassen hat.
Bevor ich das erste Mal sein Zimmer betrat, wurde ich von den Schwestern gewarnt, dass er enorm j?hzornig, aggressiv und dazu noch suizidgef?hrdet sei. Damit nicht genug, er war ca. 40 und hatte Multiple Sklerose im fortgeschrittenen Stadium. Den Willen, sein Leben zu beenden kann man durchaus nachvollziehen, wenn jemand im Zenit seines Lebens sich nach dem k?ckern von debil grinsenden Schwestern den Po abwischen lassen muss und dann im ?blichen Babyton gefragt wird: "Na? Und jetzt noch ein Glas Apfelsaft?".
Da ich dann doch relativ gut mit ihm klar kam, wurde ich von da an so gut wie immer in das Zimmer geschickt, weil keine der Schwestern da rein wollte.
Ich erfuhrt dabei, so spannende Sachen, wie dass er fr?her in der Staatsbibliothek gearbeitet hatte, regelm??ig meditiere und wurde hin und wieder entgeistert angeschrieen, wenn ich den einen oder die andere Philosophin nicht kannte. Dann kam meist ein Spruch wie: (Babystimme) "Aaaber den Freud kennst du schon, oder?"
Ich bekam ab und zu auch so tolle Ratschl?ge, wie: "Halte dir unbedingt einen Silberschmied im Freundeskreis. Die haben immer Massen an Zyankali im Lager. Das ist der sch?nste und schnellste Weg zu sterben, wenn man keine Lust hat."
Seinen versteckten Bitten, ihm etwas ins Trinken zu tun, hab ich bis zum Schluss widerstanden. Bis ich eines Morgens erfuhr, dass er sich mit Hilfe eines Lakens und eines Fensterkreuzens selbst geholfen hatte.

14.1.06 13:39


Herr G.

Eine mir zugeteilte Person vor einiger Zeit war Herr G. Er war von Beruf Musiker. Nicht nur deshalb hatte Herr G. ein bewegtes Leben. Seine musikalische Laufbahn wurde recht j?h durch den einbrechenden Krieg beeinflusst: Er kam zu einem Wehrmachtsorchester. Dort spielte er sein Blasintrument bis zum Ende des Krieges, was durchaus den Vorteil hatte, dass er vermutlich nicht auf Leute schie?en musste.
Nach dem Krieg und nach einer kleinen Schaffenspause ging er ... zum NVA-Orchester. Dort durfte er weiter spielen; schiessen musste er dort wahrscheinlich auch nie. Ende der siebziger Jahre wechselte er schlie?lich zu einem ostdeutschen Radiosender.
Nach seiner Pensionierung kam er in unser Heim wo er bis zu seinem Tod blieb. Er war im Prinzip ein netter Typ, ich mochte ihn. Er war etwas wehleidig, doch man konnte sich nett mit ihm unterhalten.
Jeden Monat konnte ich mir seine Ausgabe des "Heimkehrers" - einer lustigen Vertriebenenzeitschrift, die zur H?lfte aus Aufl?sungserkl?rungen von Vertriebenenortsverb?nden und Todesanzeigen besteht - schnappen und ein bisschen Spa? beim Lesen haben.
Ich sch?tze, niemandem ist aufgefallen, dass auch er neulich in dieser Zeitung stand. Das Wappen seines schlesischen Dorfes h?ngt ?brigens immer noch ?ber dem Bett, in dem inzwischen jemand anderes schl?ft.



11.1.06 21:00


[erste Seite] [eine Seite zurück]




Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung